Warnung vor der „Erlebniswelt Rechtsextremismus“
Der Umgang mit Rechtsextremismus, Nationalsozialismus und Holocaust unterliegt dem ständigen sozialen und gesellschaftlichen Wandel. Immer wieder beklagen SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen fehlende historische und politische Bildung im verkürzten Bildungsgang G8 an den Gymnasien in Nordrhein-Westfalen.

Dies treibt oft seltsame Blüten: Sorgloser Umgang mit Symbolen der Nazizeit, Hitlerparodien als Comedy oder eine „digitale rechte Welt“, für die SchülerInnen empfänglich werden, weil nötiges Wissen und politische Mündigkeit fehlen.
Nicht zuletzt aus diesen Gründen war es der Schulleitung des Lise-Meitner-Gymnasiums wichtig, über das Gewand des modernen Rechtsextremismus zu informieren. Mit Herrn Guerra konnte man einen namhaften Referenten für das Thema gewinnen, welcher unter der Überschrift „Erlebniswelt Rechtsextremismus?“ Erkenntnisse der nordrhein-westfälischen Verfassungsschützer zur Problematik der neuen Rechten vorstellte und Präventionsarbeit leistete.

    

Die gesamte Stufe der Q1 mit Beratungslehrer Björn Ritterbusch sowie mehrere KollegInnen des LMG verfolgten aufmerksam die Ausführungen von Herrn Guerra, der den aktuellen Rechtsextremismus als zunehmend aggressiver charakterisierte und mit zahlreichen Beispielen, digitalen Quellen und handfesten Utensilien aus der rechten Szene greifbar machte. Von der „Schulhof-CD“ mit rechter Musik über einzelne Festivals und Events im Sauerland und Ruhrgebiet bis hin zu den intellektuell anspruchsvolleren Strategien der Identitären Bewegung wurde ein breites Spektrum von Anwerbeversuchen der neuen Rechten durch den Mitarbeiter des Innenministeriums und des Verfassungsschutzes aufgedeckt.
Dabei zeigte sich deutlich, dass moderner Rechtsextremismus nicht nur aus plumpem Neonazi-Milieu besteht, sondern heute „cleverer als noch vor 20 Jahren daherkommt“, so Guerra. Rechtsextreme sähen heute mitunter „ganz normal aus, akzeptieren die Stilelemente fast aller Jugendkulturen und nutzen Anglizismen und versteckte Symbolik für ein neues, moderneres Gewand“. Ziel dabei ist es, möglichst geschickt am Rande der Legalität zu agieren und möglichst viele Jugendliche für das radikale, menschenfeindliche Programm zu gewinnen. Dafür werden auch intensiv soziale Netzwerke bespielt und Strategien im Netz (z.B. gegen Kindesmissbrauch) gefahren, die einen ahnungslosen Jugendlichen unter Umständen sehr geschickt in die „rechte Falle“ locken können.
Immer wieder berichtete Guerra von Erfahrungen im Umgang mit rechten Jugendlichen, aber auch von Aussteigern, denen der Verfassungsschutz über eigene Programme zur Seite steht. Er stellte Fragen oder gab den Jugendlichen Raum für ihre Fragen zur Thematik, so dass ein umfänglicher Austausch erfolgte – bis hin zu aktuellen Debatten über die Gelbwesten und ihre Nähe zu Rechtsextremisten, dem Aktivismus der Identitären Bewegung (angelehnt an Aktionen von z.B. Greenpeace), deren Konzepte von „Ethnopluralismus, sprachlichen Tarnstrategien und geistiger Brandstiftung“ und dem Geschichtsrevisionismus in Teilen der AfD, z.B. mit Blick auf das Berliner Holocaust-Mahnmal.
Das Wissen der Schülerinnen und Schüler über modernen Rechtsextremismus wurde auf diesem Wege enorm erweitert und führt hoffentlich dazu, dass ein Eintreten für die wehrhafte Demokratie im Alltag immer wieder aufs Neue erfolgt.

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